VERY NORWAY
Lesung im Kulturhaus III&70
anlässlich der literatur altonale
Die sehr gut besuchte Veranstaltung unter norwegischer Flagge eröffnet – ein Deutscher, nämlich der Hamburger Autor und Foodstylist Stevan Paul. Bisher erschienen Pauls Erzählungen in Zeitschriften und Anthologien, nun wird der viel beschäftigte Schriftsteller erstmals ein Buch mit Kurzgeschichten über das Kochen und dazugehörigen Rezepten veröffentlichen. „Monsieur, der Hummer und ich“ wird am 1. September im mairisch Verlag erscheinen; ein kleiner Einblick wurde den Zuhörern aber jetzt schon gewährt. Paul wusste mit seiner humorvoll–skurrilen Küchengeschichte das Publikum zu erheitern und Appetit anzuregen. Besonders empfehlenswert wird seine Lesung vom 7.-9. Oktober im Restaurant Nil sein, wo Paul nicht nur seine Texte präsentieren wird, sondern auch seine kulinarischen Leckerbissen.
Anschließend las Mirjam Kristensen einen kleinen Abschnitt auf Norwegisch aus ihrem neusten Roman „Ein Nachmittag im Herbst“ (Dörlemann Verlag), die deutsche Übersetzung las der Schauspieler und Hörbuchsprecher Stephan Benson beeindruckend intensiv und versiert und zog damit das Publikum in den Bann der ebenfalls skurrilen, aber auch beängstigenden Schilderung. Die Geschichte über eine Norwegerin, deren Ehemann bei einem New York Urlaub spurlos verschwindet, ist ausgesprochen fesselnd und von einer bemerkenswerten sprachlichen Leichtigkeit. Sirkka Klöpper-Mauermann führte ein kurzes Gespräch mit der Schriftstellerin über ihren Erfolg in Norwegen, ihre Genese als Autorin und die Entstehung des aktuellen Romans.
Den Abschluss bildete Matias Faldbakkens Roman „Unfun“ (blumenbar Verlag), der die Trilogie zur Skandinavischen Misanthropie vervollständigt. Leider las Faldbakken keinen norwegischen Textauszug, sondern überließ Benson die deutschsprachige Darbietung. „Unfun“ ist wie seine umstrittenen Vorgänger „The Cocka Hola Company“ und „Macht und Rebel“ recht drastisch und unverblümt. Mit Gewalt und Sexualität plagt sich diesmal die Halbafrikanerin Lucy in der norwegischen Gesellschaft herum. Seine Charaktere, so später Faldbakken im Gespräch mit Daniel Beskos vom mairisch Verlag, seien immer als Cartoon-Figuren zu verstehen: überzeichnet, karikiert, als Personifikationen einer Eigenschaft. Anti-Superhelden mit Kraft, Intelligenz, Hass oder Gewalt.
Eine Veranstaltung der literatur altonale. Mit freundlicher Unterstützung des Königlich Norwegischen Generalkonsulats und NORLA. In Kooperation mit dem mairisch Verlag.
Die Lesung fand statt am Donnerstag, den 18.06.2009, im Kulturhaus III&70 in Hamburg.

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